Duales_Studium

Duales Studium - Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuern

Zwischen Studium und Mandantenalltag – wie ein duales BWL-Studium wirklich ist

Viele verbinden ein Studium mit Vorlesungen, viel Freizeit und dem klassischen Campusleben. Ein duales Studium folgt allerdings anderen Regeln. Es ist strukturierter, dichter getaktet und vor allem deutlich näher an der Arbeitswelt.

Wir haben mit einer Mitarbeiterin gesprochen, die den Weg über ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuern gegangen ist und heute als Steuerfachangestellte und Prüfungsassistentin arbeitet. Ihr Werdegang zeigt, was hinter dieser Ausbildungsform tatsächlich steckt und wo Theorie und Realität auseinandergehen.

Der Einstieg: kein Masterplan, aber eine klare Vorstellung

Einen festgelegten Berufswunsch hatte sie nach dem Abitur nicht. Dafür wusste sie ziemlich genau, wie sie lernen möchte.

Ein reines Vollzeitstudium kam für sie nicht infrage. „Ich kann Theorie gut lernen, aber ich verstehe Inhalte erst richtig, wenn ich sie praktisch anwenden kann“, beschreibt sie ihre Entscheidung. Genau deshalb interessierte sie sich früh für ein duales Studium. Sie entschied sich schließlich für ein duales Studium der Betriebswirtschaftslehre mit Schwerpunkt Steuern an der Dualen Hochschule Schleswig-Holstein (DHSH) in Flensburg. Parallel absolvierte sie die Ausbildung zur Steuerfachangestellten, verkürzt auf zweieinhalb Jahre. Insgesamt dauerte das Studium drei Jahre. Der Studiengang BWL war dabei eine bewusste Wahl. Die breite Ausrichtung bot ihr Orientierungsspielraum. „Man legt sich noch nicht sofort auf einen einzigen Weg fest“, erklärt sie. Der Schwerpunkt Steuern ergab sich eher situativ und passte am Ende besser als zunächst erwartet.

Warum dual studieren?

Das Konzept überzeugte vor allem durch seine Struktur: getrennte Theorie- und Praxisblöcke statt paralleler Doppelbelastung über das gesamte Studium hinweg. Neben dem Wechsel zwischen Hochschule und Unternehmen spielte auch ein praktischer Aspekt eine Rolle: Die Studienkosten wurden übernommen und es gab bereits währenddessen ein Ausbildungsgehalt. Der größte Vorteil lag für sie jedoch woanders: Die Möglichkeit, theoretisches Wissen unmittelbar im Arbeitsalltag zu erleben. Gerade im Steuerbereich zeigt sich schnell, dass ein Sachverhalt auf dem Papier oft einfacher wirkt als im konkreten Mandantenfall.

Erwartungen und Realität

Große Vorstellungen vom Studium hatte sie im Vorfeld nicht. Einige Annahmen bestätigten sich, andere nicht. Das klassische Studentenleben blieb aus. Es gab Anwesenheitspflicht, eine kleine feste Studiengruppe und wenig Vergleichbares zu dem, was häufig mit Universitäten verbunden wird. Rückblickend beschreibt sie die Struktur als näher an Schule als an einem typischen Hochschulalltag. Die größere Umstellung war ohnehin nicht die Hochschule, sondern die Praxisphase. Der Übergang von Schule zur 40-Stunden-Woche bedeutete den eigentlichen Schritt ins Berufsleben. Auch inhaltlich zeigte sich ein gemischtes Bild: Manche Module waren weniger anspruchsvoll als erwartet, andere deutlich fordernder. Wirklich herausfordernd wurde es allerdings, wenn mehrere Anforderungen zusammenkamen.

Die anstrengendste Zeit: wenn alles gleichzeitig passiert

Besonders belastend waren Phasen, in denen sich Prüfungen an der Hochschule und Anforderungen aus der Praxis überlappten. Projekte mussten während der Arbeitszeit vorbereitet werden. Die Lernphasen für Klausuren fanden hingegen nicht parallel zu den Praxisblöcken statt, sondern jeweils in der letzten Woche des Theorieblocks, stellten jedoch dennoch teilweise eine Herausforderung dar. Die intensivste Phase entstand, als gleichzeitig die Prüfungen der Hochschule und die Abschlussprüfung der Ausbildung anstanden. „Das hat vor allem Nerven gekostet“, erinnert sie sich. Auch die Bachelorarbeit stellte eine eigene Herausforderung dar: acht Wochen konzentrierte Arbeit, ohne zu wissen, ob Zeit und Qualität am Ende ausreichen würden.

Die schönen Momente

Trotz der Belastung bleiben viele positive Erinnerungen. Dazu gehörten vor allem persönliche Meilensteine:

  • das Bestehen der Abschlussprüfung zur Steuerfachangestellten
  • die Abgabe der Bachelorarbeit
  • der Bachelor-Ball als offizieller Abschluss

Besonders in Erinnerung geblieben ist auch die Studienfahrt nach Budapest. Nach drei Jahren gemeinsamer Prüfungsphasen war die Studiengruppe eng zusammengewachsen - ein Aspekt, den sie im Vorfeld unterschätzt hatte.

Der Übergang in den Beruf

Nach dem Abschluss entschied sie sich bewusst zu bleiben. Ausschlaggebend war dabei weniger die einfache Entscheidung als vielmehr die Einschätzung, dass das duale Studium zwar einen Überblick vermittelt, jedoch noch keine vollständige berufliche Sicherheit bietet. Gerade im Steuerwesen entsteht Kompetenz durch Wiederholung und praktische Erfahrung. Ein Arbeitsplatzwechsel hätte gleichzeitig neue Abläufe, neue Kollegen und neue Aufgaben bedeutet. „Ich wollte erst wirklich im Beruf ankommen“, beschreibt sie ihre Entscheidung. Rückblickend bewertet sie diesen Schritt als richtig.

Die Rolle heute

Heute arbeitet sie als Steuerfachangestellte und Prüfungsassistentin sowohl in der Steuerberatung als auch in der Wirtschaftsprüfung.

Der Unterschied zum Studium ist deutlich: Inzwischen betreut sie eigene Mandanten und übernimmt Verantwortung für Buchhaltungen - Aufgaben, die während der Studienzeit kaum möglich waren. Durch die blockweisen Abwesenheiten fehlte damals vor allem die notwendige Kontinuität.

Für wen eignet sich ein duales Studium?

Ein BWL-Studium bietet eine breite Grundlage für viele Berufsfelder. Gleichzeitig bedeutet diese Breite auch, dass Absolventinnen und Absolventen zunächst keine starke Spezialisierung mitbringen. Geeignet ist dieser Weg vor allem für Menschen, die studieren möchten, aber gleichzeitig früh praktische Erfahrung sammeln wollen und strukturiert ins Berufsleben hineinwachsen möchten. Weniger passend ist er für Personen, die möglichst schnell tiefes Fachwissen in einem spezifischen Beruf aufbauen möchten. Auch bei der Kombination mit dem Steuerberuf sieht sie Einschränkungen: Dieser lebt stark von Routine, Wiederholung und kontinuierlicher Mitarbeit im Unternehmen. Die Blockstruktur eines dualen Studiums erschwert genau diese Entwicklung, weshalb der Berufseinstieg mehr Zeit benötigt.

Fazit

Das duale Studium ist weder der leichtere noch der schnellere Weg. Es ist ein anderer Weg. Es bietet Orientierung, Sicherheit und Praxiserfahrung - ersetzt jedoch nicht die Zeit, die es braucht, um in einem verantwortungsvollen Beruf wirklich anzukommen.

Oder, wie man es nach dem Gespräch zusammenfassen kann:

Man entscheidet sich nicht theoretisch für einen Beruf. Man erlebt ihn und versteht erst danach, ob er wirklich passt.

Sarah Sukopp
Assistenz der Geschäftsführung